Deutschland gründet wieder mehr. Rund 690.000 Gründerinnen und Gründer haben 2025 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt, gut 105.000 mehr als im Vorjahr (KfW, 2026). Das ist eine echte Trendwende. Was dahintersteckt, ist aber kein Vollzeit-Gründungsboom: 70 Prozent dieser Gründungen entstehen neben einer abhängigen Beschäftigung, das ist ein historischer Höchstwert. Und das macht auch Sinn: in diesen Transformationszeiten ist es schlau sich auf verschiedene Beine zu stellen und sein persönliches Risiko zu reduzieren. Es handelt sich also um Menschen mit einer Idee, einem Hauptjob und begrenzter Zeit. Einen großen Teil dieser begrenzten Zeit müssen sie jedoch für bürokratische Aufgaben aufwenden.
Uns stellt sich die Frage: Wie lässt sich dieser bürokratische Aufwand für Gründende verringern?
Vier Befunde des KfW-Gründungsmonitors 2026 zeichnen ein klares Bild:
483.000 Nebenerwerbsgründungen stehen 206.000 Vollerwerbsgründungen gegenüber – fast 2,5 mal so viele (KfW, 2026).
Das dominierende Motiv ist dabei eindeutig: 40 Prozent der Nebenerwerbsgründenden wollen ein höheres oder zusätzliches Einkommen erzielen – ein merklicher Anstieg gegenüber 32 Prozent im Vorjahr (KfW, 2026).
40 Prozent aller Gründerinnen und Gründer sind jünger als 30 Jahre, und 22 Prozent von ihnen starteten direkt aus dem Studium heraus (KfW, 2026). Diese Generation erwartet digitale Prozesse. Es lässt sich davon ausgehen, dass diese Zielgruppe keine Papierformulare in Behördendeutsch erwartet, sondern einfache digitale Prozesse.
Und der Kostenfaktor Bürokratie ist real: Im Schnitt wenden Gründerinnen und Gründer 5,1 Stunden pro Woche allein für gesetzliche und regulatorische Anforderungen auf. Bei Nebenerwerbsgründenden, die höchstens 20 Stunden wöchentlich für ihre Selbstständigkeit aufwenden dürfen, ist das ein unverhältnismäßig hoher Anteil (KfW, 2026).
Schaut man sich die Situation etwas genauer an zeigt sich: Der Einstieg über den Nebenerwerb ist nicht nur der häufigste, sondern oft auch der klügste Weg. Wer eine andere Haupttätigkeit hat, bleibt über diese Tätigkeit kranken- und sozialversichert – und kann die Selbstständigkeit in Ruhe aufbauen, ohne das volle finanzielle Risiko tragen zu müssen.
Und tatsächlich gibt es für kleine Gründungen noch weitere Erleichterungen. Die meisten Nebenerwerbsgründenden starten als Soloselbstständige: Lohnabrechnung, Mitarbeiteranmeldung, Sozialversicherungsbeiträge für Angestellte – all das ist schlicht kein Thema. Wer unter 25.000 Euro Jahresumsatz bleibt, kann die Kleinunternehmerregelung nutzen und muss keine Umsatzsteuer ausweisen oder abführen. Das bedeutet weniger Aufwand in der Buchhaltung.
Und ein Stammkapital, ein Notar, ein Gesellschaftsvertrag? Braucht es alles nicht. Ein Einzelunternehmen entsteht ohne all das – einfach durch die Anmeldung beim Finanzamt und gegebenenfalls beim Gewerbeamt. Manche Berufsgruppen sind zudem erlaubnis- oder meisterpflichtig – aber das wars meistens.
Aber trotz dieser recht einfachen Gründung im Vergleich zu anderen Rechtsformen, entstehen oft Unsicherheiten. Brauche ich eine Gewerbeanmeldung oder reicht die Anmeldung beim Finanzamt? Was ist der Unterschied zwischen Freiberufler*in und Gewerbetreibenden? Welche Felder im Steuerformular sind für mich überhaupt relevant?
Wer das zum ersten Mal durcharbeitet, verliert schnell den Überblick. Wir wissen das aus über zehn Jahren Erfahrung in der Arbeit mit Selbstständigen: Der bürokratische Einstieg ist der Moment, an dem viele unsicher werden und Angst davor haben, etwas falsch zu machen – nicht, weil ihre Gründungsidee schlecht ist, sondern weil die Prozesse einschüchtern.
Das ist kein Einzelproblem. Es ist ein strukturelles.
Genau hier setzt die Gründerplattform an, die wir gemeinsam mit der KfW weiter entwickeln. Statt Gründerinnen und Gründer durch einen generischen Formulardschungel bei der Anmeldung ihrer Selbstständigkeit zu schicken, zeigt unsere Anmeldungsstrecke nur die Felder, die für die jeweilige Gründungs-Situation tatsächlich relevant sind.
So einsteht ein sehr kurzer Anmeldepfad, der die einfachste Art der Gründung bündelt. Ein paar gezielte Fragen, ein klares „Ja" – und weiter. Soloselbstständig? Ja. Kleinunternehmerregelung? Ja. Einzelunternehmen? Ja. Auf Basis dieser Antworten wird die Anmeldung automatisch so konfiguriert, dass sie zur konkreten Situation passt – kein Feld zu viel, keine überflüssige Komplexität.
Die Eingaben fließen dabei direkt in zwei Anträge: die Gewerbeanmeldung und den steuerlichen Erfassungsbogen für ELSTER. Beides wird in einem einzigen geführten Prozess ausgefüllt und verschickt. Kein doppeltes Eintippen, keine Übersetzungsarbeit zwischen zwei Behördenlogiken.
Gleichzeitig wählen Gründerinnen und Gründer ein Geschäftsprofil aus und erhalten genau die Schritte, die für ihre Gründung tatsächlich relevant sind. Meisterpflicht? Fällt für viele weg. Katalogberuf? Dann könnte Freiberuflichkeit in Frage kommen – und auch das vereinfacht einiges. Wer unter 24.500 Euro Jahresgewinn bleibt, zahlt keine Gewerbesteuer; Kammerbeiträge fallen zu Beginn ebenfalls meistens nicht an. Das bedeutet: Wer sich nicht sicher ist, ob die eigene Tätigkeit als freiberuflich anerkannt wird, kann problemlos zunächst gewerblich starten und die Freiberuflichkeit später vom Finanzamt prüfen lassen. Der einzige Kostenpunkt dabei ist die einmalige Gebühr für die Gewerbeanmeldung – überschaubar und klar kalkulierbar.
Das Ergebnis: Wer ein ganz normales Einzelunternehmen anmelden möchte, kann das in einem strukturierten, verständlichen Ablauf tun – ohne Vorkenntnisse, ohne Steuerberater*in für den ersten Schritt, ohne das Gefühl, etwas Wichtiges übersehen zu haben.
Oder anders ausgedrückt: Wir motivieren ("nudgen") mit diesem System Gründende, das zu nutzen, was am einfachsten, unbürokratischsten und vorteilhaftesten ist. Verhaltens Psychologen nennen das "nudgen" - wir nennen es Abkürzung und Sicherheit geben.
Motiviert sind wir dabei vom französischen Autoentrepreneur zu dem wir vorletztes Jahr einen Machbarkeitsstudie geschrieben haben. Dort haben 2,8 Mio Menschen diese vereinfachte Form des Gründens gewählt - sowas wollen wir auch für Deutschland schaffen. Wer mehr über unsere Herangehensweise und unsere Inspiration aus Frankreich lesen möchte, kann dies in unserem Empowerblog-Beitrag tun.
690.000 Menschen haben also 2025 gegründet . Die meisten von ihnen nebenbei, ohne große Ressourcen, aber mit einer klaren Idee und dem Willen, etwas aufzubauen. Sie verdienen Prozesse, die auf ihre Realität zugeschnitten sind – nicht auf die eines Unternehmens mit Rechtsabteilung.
Der KfW-Gründungsmonitor 2026 zeigt, wie lebendig das Gründungsgeschehen in Deutschland ist. Wir zeigen, dass der bürokratische Einstieg kein Hindernis sein muss. Wer loslegen möchte, soll loslegen können. Dabei unterstützen wir mit unsren Angeboten, wie der Gründerplattform App und Sprechstunden, in denen wir Gründende auf ihrem Weg begleiten und von ihnen lernen, unser Produkt besser zu machen. Denn am Ende ist nur das, was zählt - dass es den Gründenden hilft.
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Quelle: KfW Bankengruppe, KfW-Gründungsmonitor 2026, Frankfurt am Main, Mai 2026.